Die Zigarettenindustrie in Indonesien

Zigarettenindustrie in Indonesien

Zigaretten passen nicht mehr in die deutsche #Healthy-Instagram-Welt. Doch die Industrie dahinter hat längst andere Opfer gefunden. Zum Beispiel Indonesien, wo eine Packung Zigaretten etwa 1,30 Euro kostet.

In dem Seminar „Communication and Social Change“ haben wir vor ein paar Wochen die Dokumentation „Sex, Lies and Cigarettes“ geschaut. Die Doku beleuchtet die Zigarettenindustrie in Indonesien, die durch Korruption und Täuschung immer mehr Einfluss gewinnt. Die Schäden, die durch den Konsum verursacht werden, sind gerade für die Menschen, die abseits der Städte leben, nicht bekannt. In weiten Teilen von Indonesien gibt es kein Internet, die Menschen könnten sich nicht einmal selbst informieren, wenn sie es wollten.

Zigarettenmarken als Kultursponsoren

Die Straßen von Indonesien, ob in Jakarta oder auf der Insel Sumatra sind voll mit Werbeplakaten für Zigaretten. „Go Ahead“ wird beworben. Castingshows, Konzerte, Festivals werden von den großen Marken gesponsert. Muse, the Black Eyed Peas, Flo Rida – sie alle standen schon für Philip Morris auf der Bühne.

In Indonesien gibt es kein Mindestalter, kein Gesetz, das den Zugang reguliert. Auch wenn der Konsum offiziell ab 18 gestattet ist, gibt es keine Altersbeschränkung für den Kauf. Eine Schachtel für etwa 20.000 Indonesische Rupiah können sich selbst Schulkinder leisten. An vielen Kiosks gibt es sogar einzelne zu kaufen, damit sich auch Jugendliche von ihrem Taschengeld ein paar Züge leisten können.

Aufmerksam wurde die Welt schon vor ein paar Jahren auf das Problem: Der zweijährige Aldi von der Insel Sumatra brachte es zu zweifelhafter Berühmtheit.  Auf Youtube und später auch im Fernsehen machte ein Video von ihm die Runde, in dem er genüsslich Zigaretten paffte. Laut Angaben zum Video bis zu 40 Stück an einem Tag.

Der Markt in Asien wächst

Während der Westen anfängt den eigenen Konsum zu reflektieren, wird der asiatische Markt immer interessanter für die Tabakindustrie. Hohe Steuern und das schlechte Image vermiesen die Geschäfte in Europa und Amerika. In Indonesien dagegen sind die Preise immer noch billig und die gesundheitlichen Folgen werden kaum wahrgenommen. Im Jahr sterben 200.000 IndonesierInnen an Folgen des Konsum.

Ein Großteil der Bevölkerung Indonesiens ist nicht nur Konsument von Tabakwaren. Die Insel Sumatra ist einer der größten und beliebtesten Anbauorte für Tabak weltweit. Die Bauern sind von der Ernte und dem Verkauf abhängig. Bestreben von NGOs und Verbänden die Tabakindustrie in Indonesien stärker zu regulieren, lehnen sie ab.

Das ist einer der Gründe, warum entsprechende Gesetze in Indonesien schnell wieder vom Tisch verschwinden. Lobbyisten und Unternehmen zahlen zudem große Summen an die Regierung, um die Gesetzesentwürfe zu stoppen. Durch gute Kontakte zur Regierung und großer finanzieller Mittel übt diese Gruppe starken Einfluss aus. Korruption ist ein weiteres großes Problem in Indonesien.

Erste Versuche, die Folgeschäden bekannt zu machen, brachten nicht den gewünschten Effekt. Seit 2014 gibt es abschreckende Bilder auf den Packungen. Die konnten den Konsum allerdings kaum eindämmen. Stattdessen feilt das Gesundheitsministerium mittlerweile an einem neuen Plan. Die Zigarettenschachteln sollen künftig im Einheitslook erscheinen, das Markenlogo auf der Verpackung würde verboten.

 

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